Was ist "Elektrosmog"?

"Als Elektrosmog bezeichnet man künstliche, also durch Menschen hervorgerufene, elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder (EMF)."

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, BUND e. V. (01/2014)

Dazu zählen:

  • Elektrische Wechselfelder (Niederfrequenz), z.B. Hochspannungs- und Stromleitungen
  • Magnetische Wechselfelder (Niederfrequenz), z.B. Bahnstrom, Hochspannung, Trafo-Haus
  • Elektrische Gleichfelder (Elektrostatik), z.B. Lacke, Synthetik, Möbel
  • Magnetische Gleichfelder (Magnetostatik), z.B. Metall in Betten, Matratzen und Gebäuden
  • Elektromagnetische Wellen (Hochfrequenz), z.B. WLAN, DECT, Radar

Bewertung elektromagnetischer Felder

„Elektrosmog: Hinweise auf Gesundheitsgefahren mehren sich. Eine stetig wachsende Anzahl wissenschaftlicher Studien macht deutlich, dass die Belastung durch elektromagnetische Felder nicht ohne Folgen für die menschliche Gesundheit und die Gesundheit von Tieren und Pflanzen ist. […]“
BUND (01/2014)

Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC, WHO) stuft hochfrequente elektromagnetische Felder als „potenziell krebserregend" (Gruppe 2B) ein.
aerzteblatt.de (06/2011)

Auch die Europäische Umweltagentur (EEA) warnt […] eindringlich vor den Gefahren hochfrequenter Strahlung, […]
Quelle: Umweltinstitut München e.V. (www.umweltinstitut.org)

Dauerhaft erhöhte elektromagnetische Felder können zu gesundheitlicher Beeinträchtigung führen (siehe z.B. unter Melatonin & Kunstlicht). Dies ist besonders zu berücksichtigen, wenn die Bioregulationskapazität erschöpft ist.

Auswirkungen

Dauerhaft erhöhte elektromagnetische Felder werden von Umweltmedizinern immer wieder in Zusammenhang gebracht mit Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Unruhezuständen, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Herzrasen oder Tinnitus. 
MEDIZIN 2015, BÄK 06A/B - Umweltmedizin

Siehe auch nachfolgend unter "EUROPAEM EMF-Leitlinie 2016"

Auch renommierte Fachmediziner empfehlen zur Vermeidung von Schlafstörungen, erhöhte elektromagnetische Felder am Schlafplatz zu vermeiden.
W+G Nr. 159, 06/2016

Eine Untersuchung von Wissenschaftlern der Universität Mainz zur Auswirkung von EMF auf die Gehirnaktivität habe nach Angaben des Versuchsleiters, Prof. Dr. Wolfgang Schöllhorn, bei der Testperson im Auto, insbesondere nach dem Einschalten von WLAN, deutlich erhöhte Gehirnaktivität gezeigt, vergleichbar mit verstärkter Stresssymptomatik (28.10.2017).
Quelle: www.diagnose-funk.org/publikationen/artikel/detail&newsid=1230

Arte.tv informiert im Beitrag "Xenius: Elektrosmog - Eine unterschätzte Gefahr?" über Hintergründe zum Thema "Elektrosmog und Elektrosensibilität". Mit Interviews des Umweltwissenschaftlers Prof. Kühling, des Physikers Prof. Babilon, des Umweltmediziners Dr. Banzhaf etc.https://www.arte.tv/de/videos/084702-003-A/xenius-elektrosmog/

Molekularbiologische Wirkungsmodelle

Polarisation ist ein wichtiger Faktor für das Verständnis molekularbiologischer Effekte von gepulsten hochfrequenten elektromagnetischen Wellen (EMF) niedriger Intensität. Ein daraus abgeleitetes Wirkungsmodell wurde 2015 von den Wissenschaftlern Dr. Panagopoulos, Prof. Johansson und Dr. Carlo publiziert: es erklärt, wie durch diese EMF Ionenkanäle in der Zellmembran aktiviert werden könnten und somit weitere biologische Wirkungen, wie z.B. oxidativer Stress (ROS), erfolgen könnten. Es wurden zudem Schwellenwerte für die Öffnung der verschiedenen Na-, K-, Ca-Kanäle ermittelt. Dieses biophysikalische Modell wurde 03/2016 durch den Physiker Dr. Klaus Scheler in einer Sonderbeilage der umweltmedizinischen Fachzeitschrift Umwelt-Medizin-Gesellschaft (UMG) ausführlich beschrieben und erläutert.

Visible Light Communication, VLC

Das Pilotprojekt zur optischen Datenübertragungstechnik startete am 20. Mai 2015 auf der Insel Mainau. Entwickelt wurde diese Technik vom Fraunhofer Heinrich-Herz-Institut (HHI) in Berlin und soll mit sehr hohen Datenübertragungsraten als Alternative zu WLAN eingesetzt werden. Diese mobile Kommunikations-Technik soll zudem mit weniger Gesundheitsrisiken verbunden sein als die derzeit eingesetzte technische Hochfrequenz der Mikrowellen.

Melatonin & Kunstlicht

Das Hormon Melatonin wird in der Epiphyse aus Tryptophan synthetisiert und steuert den Schlaf-Wach-Rhythmus: Insbesondere künstliches blaues Licht hemmt die Sekretion, während Dunkelheit zu einem Anstieg des Melatonin-Spiegels und zur Schlafinduktion führt. Folglich kann eine Verringerung des Melatonin-Spiegels durch Kunstlicht Schlafstörungen bewirken. In verschiedenen Studien konnte außerdem gezeigt werden, dass auch EMF die Melatonin-Produktion reduzieren können.
R. J. Reiter, J. Cell. Biochem. (1993); C. Graham et al., EHP (2001); S. J. Konturek et al., J. Physiol. Pharmacol. (2007)

Siehe hierzu auch:
J. Gertenbach, Wohnung + Gesundheit, 145 (2012)
(Wohnung + Gesundheit)

Was kann ich tun?

Heutzutage ist man an sehr vielen Orten zunehmend Elektrosmog ausgesetzt. Besonders bei Kindern und chronisch Kranken sollte man daher vorsorglich für ein Elektrosmog-armes Umfeld sorgen.

Auch die EMF-Leitlinie 2016 der EUROPAEM zur Prävention, Diagnostik und Therapie EMF-bedingter Beschwerden und Krankheiten empfiehlt eine Messung der EMF-Exposition durch „[…] speziell ausgebildete und sachkundige Messtechniker […] dabei sollen immer einschlägige Messvorschriften eingehalten werden, wie z.B. die VDB‐Richtlinien des Berufsverbandes Deutscher Baubiologen. […] Nachdem der Patient einen Messtechniker beauftragt hat und die Messungen durchgeführt wurden, sollten die Messergebnisse mit einem Arzt, der mit der EMF‐Problematik vertraut ist, besprochen werden.“

Zur Erholung ist der Schlafplatz besonders kritisch zu bewerten: Er sollte zur Regeneration des Körpers möglichst Elektrosmog-frei sein.  Wir bieten daher auch baubiologische Schlafbereichs-Untersuchungen an. 

Leistungen

Neu:  Das aktualisierte Standardwerk 'Stress durch Strom und Strahlung' von Wolfgang Maes (6. Auflage 2013) bietet viele Informationen über Umweltrisiken im Wohnumfeld sowie Möglichkeiten der Stressreduzierung.

WICHTIG: Netzabkoppler sollten baubiologisch überprüft werden

Wenn durch eine baubiologische Messung festgestellt wurde, wie hoch die Gesamt-Belastung ist und wodurch sie im Einzelnen verursacht wird, gibt es viele Möglichkeiten, die Belastung durch Elektrosmog zu reduzieren, z.B. durch Netzabkopplung, baubiologische Elektroinstallation, Abschirmung etc.

Information und Beratung zur baubiologischen Elektroinstallation erhalten Sie gern auf Anfrage.

Im Rahmen einer baubiologischen Elektroinstallation können z.B. Wohnbereiche durch abgeschirmte Stromkabel, zusätzlichen Funktionspotentialausgleich (FPA) sowie Netzabkopplung frei von niederfrequenten Wechselfeldern (Elektrosmog) gestaltet werden.

Nach der fachgerechten Sanierung ist die Erfolgskontrolle durch eine baubiologische Nachmessung sehr wichtig, da z.B. eine Netzabkopplung nur eines Raumes sogar kontraproduktiv sein kann, wenn Felder aus benachbarten Räumen eindringen.

Aktuelles zu elektromagnetischen Feldern

Europäische Expertengruppe der EUROPAEM (Europäische Akademie für Umweltmedizin e.V.) erarbeitet EMF-Leitlinie 2016. Damit soll über 'Konzepte für Diagnose und Behandlung von Gesundheitsproblemen in Bezug auf Elektromagnetische Felder (EMF) und Strategien der Prävention' informiert werden. 08/2016Lesen Sie mehr

Die Fachzeitschrift Umwelt-Medizin-Gesellschaft weist in ihrer aktuellen Ausgabe darauf hin, dass elektromagnetische Felder (EMF) das Wachstum von Tumoren in Mäusen fördere. Dies sei durch eine neue Studie im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz BfS von Wissenschaftlern der Jakobs Universität Bremen gezeigt worden. Die Effekte seien zudem z.T. unterhalb bestehender Grenzwerte aufgetreten und bestätigten eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Toxikologie und Experimentelle Medizin (ITEM) von 2010.
umwelt-medizin-gesellschaft | 28| 2/2015

Medizin 2015, Kongress, BÄK 06A/B - Umweltmedizin: Aktuelle Vorträge über biologische Wirkungen elektromagnetischer Felder (EMF), 30.01.2015
Mehr auf Anfrage

Die amerikanische "Behörde für Lebens- und Arzneimittel" FDA (Food and Drug Administration) informiert über Möglichkeiten zur Reduzierung der Exposition gegenüber Elektromagnetischen Wellen (radiofrequency energy, RF, oft als "Mobilfunkstrahlung" bezeichnet) auf seiner Homepage (01/2014). http://www.fda.gov/Radiation-EmittingProducts/

Einige Ökohaus-Anbieter haben bereits eine komplette Elektrosmog-Abschirmung in ihre Häuser integriert.
Mehr auf Anfrage 

"Lichtqualität und Elektrosmog", J. Gertenbach, Wohnung + Gesundheit, 152 (2014) (Wohnung + Gesundheit)

BGH-Urteil: Errichtung einer Mobilfunkantenne bedarf der Zustimmung aller Wohnungseigentümer
Bundesgerichtshof, Urteil vom 24.01.2014 - V ZR 48/13,
Quelle: www.rechtsindex.de

Elektrosmog stört die Orientierung von Zugvögeln. Nature, 7. Mai 2014: Laut Prof. Dr. Henrik Mouritsen (Uni Oldenburg) sei der Elektrosmog im Frequenzbereich von zwei Kilohertz bis fünf Megahertz.

Hochspannungsleitungen

Neu:  Novellierung der BImSchV

„Verordnung über elektromagnetische Felder – 26. BImSchV […]

Die beschlossenen Neuregelungen umfassen Regelungen zum vorsorgenden Gesundheitsschutz: Beim Bau neuer Stromtrassen soll künftig die Überspannung von Wohngebäuden untersagt werden. Des Weiteren sollen auch beim Ausbau der Stromnetze elektrische und magnetische Felder minimiert werden.“

Deutscher Bundestag, Drucksache 17/13835 vom 11.06.2013

Messung der Belastung mit niederfrequenten elektrischen Wechselfeldern durch das Sachverständigenbüro BAUBIOLOGIE DR. STAMER

Veröffentlichungen / Presse

„Wo man Dauerbelastungen durch elektromagnetische Felder herabsetzen kann, da sollte man es tun."
Bundesamt für Strahlenschutz (1996)

„Die Bundesregierung empfiehlt, die persönliche Strahlenexposition durch hochfrequente elektromagnetische Felder so gering wie möglich zu halten, d.h. herkömmliche Kabelverbindungen zu bevorzugen, wenn auf den Einsatz von funkgestützten Lösungen verzichtet werden kann."
Drucksache 16/6117 (07/2007) 

„Räume ohne Mobilfunk-Strahlung ermöglichen.“
Bundestag Pressemitteilung von MdB (06/2008) Mehr...

Leitlinie der ÖÄK zur Abklärung und Therapie EMF-bezogener Beschwerden und Krankheiten (EMF-Syndrom), Konsensus-Papier der ÖÄK AG-EMF, Österreichische Ärztekammer, 2012.
https://www.diagnose-funk.org/publikationen/artikel/detail&newsid=477

„Das Umweltbundesamt rät zur Vorsicht bei der WLAN-Nutzung.“
Presseerklärung UBA (Presseinfo Nr. 36, 09/2013) Mehr...

Weitergehende Informationen

Wissenschaftliche Publikationen

  • Tinnitus and mobile phone use. 
    Occupational and Environmental Medicine
     67, 804-8. H. P. Hutter et al. (2010).
  • „Untersuchung athermischer Wirkungen elektromagnetischer Felder im Mobilfunkbereich“,
    Band 47, AUVA Forschungsbericht, 2. Auflage, www.auva.at, 2011
  • Electromagnetic hypersensitivity: Fact or fiction? 
    Science of the Total Environment 414, 103–112. S. J. Genuis, C. T. Lipp (2012).
  • Use of mobile phones and cordless phones is associated with increased risk for glioma and acoustic neuroma. 
    Pathophysiology 20, 85-110. L. Hardell et al. (2013).
  • Replication of heart rate variability provocation study with 2.4-GHz cordless phone confirms original findings.
    Electromagnetic Biology and Medicine 32, 253-66. M. Havas, J. Marrongelle (2013).
  • Hypothesis on how to measure electromagnetic hypersensitivity. 
    Electromagnetic Biology and Medicine 32, 281-90. A. Tuengler, L. von Klitzing (2013).
  • Tumor promotion by exposure to radiofrequency electromagnetic fields below exposure limits for humans. 
    Biochem Biophys Res Commun. 459, 585-90. Lerchl A, Klose M, Grote K, Wilhelm AF, Spathmann O, Fiedler T, Streckert J, Hansen V, Clemens M (2015).
  • Polarization: A Key Difference between Man-made and Natural Electromagnetic Fields, in regard to Biological Activity. 
    Nature Scientific Reports 5, 14914. D. J. Panagopoulos et al. (2015).
  • Electromagnetic hypersensitivity - an increasing challenge to the medical profession.
    Rev. Environ. Health 30, 209-15. L. Hegendahl et al. (2015).
  • „Untersuchung athermischer Wirkungen elektromagnetischer Felder im Mobilfunkbereich“,
    ATHEM-2, Report-Nr. 70, AUVA Forschungsbericht, www.auva.at, 2016
  • Scheler K (2016): Polarisation: Ein wesentlicher Faktor für das Verständnis biologischer Effekte von gepulsten elektromagnetischen Wellen niedriger Intensität,
    12-seitige Beilage in umwelt-medizin-gesellschaft, 3/2016
  • Pall ML (2018): Wi-Fi is an important threat to human health.
    Environmental Research 164, 405-416.
  • A Prospective Cohort Study of Adolescents' Memory Performance and Individual Brain Dose of Microwave Radiation from Wireless Communication.
    Environ. Health Perspect., Foerster M. et al. (2018).
  • The Contribution of In Vivo Mammalian Studies to the Knowledge of Adverse Effects of Radiofrequency Radiation on Human Health.
    Int. J. Environ. Res. Public Health. Vornoli A. et al. (2019).