Baubiologie & Schadstoffanalytik

Sachverständigenbüro                              Dipl.-Biol. Dr. Karsten Stamer

Schimmelpilze, Allergene, Raumklima

Schimmelpilze oder Allergene im Wohnraum?

Wenn Sie den Verdacht haben, in Ihrer Wohnung könnte ein Schimmelpilzbefall vorliegen, da Sie evtl. bereits Schimmelflecken an der Tapete entdeckt haben oder Fugen im Bad dunkel verfärbt sind, scheuen Sie sich nicht, mich zu kontaktieren. 

Das einfache Entfernen oder Überstreichen der Tapete bzw. Fuge beseitigt nicht die Ursache des Schimmelpilzwachstums!

Das Schimmelpilzwachstum im Innenraum hat immer erhöhte Feuchtigkeit als Ursache. Es ist daher zu untersuchen, ob diese durch Bauschäden oder Nutzerverhalten entstanden ist.

Zunächst sollte aber festgestellt werden, ob und wie stark der Schimmelpilzbefall ist und welche Gattungen oder Arten vorhanden sind. Dies kann durch eine Raumluftanalyse festgestellt werden.

Schimmelpilz-Gifte (Mykotoxine)

Bestimmte Pilzarten bilden Mykotoxine, also Schimmelpilz-Gifte, die gesundheitliche Beschwerden beim Menschen verursachen können.

Laut Umweltbundesamt können durch Schimmelpilz-Toxine allergische Reaktionen hervorgerufen werden (Umweltbundesamt 2002).

Allergien durch Schimmelpilze
Schimmelpilze können allergische Reaktionen hervorrufen.

Versteckter Schimmelbefall

Manchmal liegt gar kein sichtbarer, sondern ein versteckter Schimmelbefall vor. Auch hier kann die Raumluft-Belastung mit Schimmelpilz(sporen) durch eine Raumluftanalyse ermittelt werden. Dieser Methode wird laut 'Schimmelpilze in Innenräumen' des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg in einem solchen Fall die größte Bedeutung zugemessen.

Luftkeim- oder Partikelsammlung von Schimmelpilzsporen

Dabei kann entweder eine Luftkeimsammlung oder eine Partikelsammlung durchgeführt werden. Die Partikelsammlung erfasst dabei auch die nicht keimfähigen Sporen sowie Partikel, Fasern und Pollen. Einige Pilzarten (z.B. Stachybotrys chartarum) besitzen eine geringe Keimfähigkeit und können somit nur unzureichend durch Luftkeimsammlungen auf Nährböden erfasst werden. Hier ist die Partikelsammlung die zielführendere Methode. Nach einer erfolgten Schimmelpilz-Sanierung durch Desinfektionsmittel kann mit einer Partikelsammlung auch das inaktivierte Material (Sporen etc.) quantitativ erfasst werden, welches immer noch toxisch wirksam sein kann (Mykotoxine).

Freimessungen

Dies ist besonders wichtig bei einer Überprüfung des Sanierungserfolgs ('Freimessung'). Hinweise auf versteckten Schimmelbefall liefern manchmal Gerüche oder schon die Überprüfung des Raumklimas.

Raumluftuntersuchung auf Schimmelpilzsporen

Messungen der Baustofffeuchte

Die Messung der Baustofffeuchte über zerstörungsfreie Messverfahren sowie Messungen mittels Sonden ermöglichen qualitative Aussagen über den Feuchtegehalt in unterschiedlichsten Baustoffen und Dämmschichten. Diese Messungen sind insbesondere nach Wasserschäden wichtig und sollten sehr zeitnah durchgeführt werden, um Folgeschäden wie Schimmelbefall, Geruchsbildung etc. zu vermeiden. Häufig werden nach Wasserschäden, z.B. im Kellerbereich, Feuchtemessungen des Estrichs zu spät berücksichtigt, so dass eine eventuell erforderliche, professionelle Trocknung nicht erfolgt. Tiefenmessungen an verdeckten Baustoffschichten (Trittschall- oder Wärmedämmung) können hier ebenfalls erforderlich sein.

Messung der Baufeuchte

Raumluftanalyse angelehnt an VDI 4300/10

Eine Luftkeimsammlung angelehnt an VDI 4300/10 oder eine Partikelsammlung gibt Aufschluss über mögliche krankmachende Luftkeime, Schimmelpilze, Sporen oder Partikel in der Raumluft. Die nachfolgende Analytik der Raumluftprobe erfolgt in einem spezialisierten mikrobiologischen Fachlabor.

Raumluft Untersuchung auf Schimmelpilze
Schimmelpilz Sporensammlung

Starke Zunahme von Allergien ohne eindeutige Ursache

In den letzten Jahrzehnten haben Allergien laut ‚Weißbuch Allergie in Deutschland‘ stark zugenommen. Jeder vierte Deutsche leide danach an einer Allergie und 40% der Bevölkerung habe Antikörper gegen Innenraum-Allergene gebildet. Einer der wichtigsten Auslöser für Allergien sei dabei die Allergen-Belastung der Innenraumluft, wobei diese Allergene oft an Hausstaub gebunden sind.

Weißbuch Allergie in Deutschland, J. Ring, C. Bachert, C.-P. Bauer, W. Czech, Springer Medizin, 2010

Lebensmittelallergien nehmen zu

Ein aktueller Artikel der Fachzeitschrift Umwelt-Medizin-Gesellschaft UMG beschreibt eine deutlich zunehmende Anzahl von Lebensmittelallergien in der europäischen Bevölkerung: mehr als 17 Millionen Menschen seien bereits betroffen. Die Zahl der von Allergien mit schweren Komplikationen betroffenen Kinder habe sich in den letzten zehn Jahren versiebenfacht. umwelt-medizin-gesellschaft | 28 | 2/2015

Welche Formen von Allergien gibt es? Was sind Allergene?

Allergien sind Überempfindlichkeits-Reaktionen des Immunsystems auf zunächst harmlose Stoffe (Antigene = Allergene). Diese Allergene können bei allergischen Personen die Bildung von Antikörpern erzeugen. Allergien können entzündliche Reaktionen und Gewebeschädigungen hervorrufen und werden in vier Typen unterteilt:

Heuschnupfen, Asthma

Typ I. Diese Überempfindlichkeits-Reaktion vom Soforttyp ist die klassische Reaktion auf z. B. Pollen und führt zur Freisetzung von Histamin aus Mastzellen (Heuschnupfen, Asthma). Dieser Prozess wird durch die Vernetzung von Immunglobulin-E-Antikörpern (IgE) mit den eingedrungenen Antigenen induziert.

Typ II. Die Antikörper-abhängige zytotoxische (Zell-schädigende) Überempfindlichkeit ist relativ selten, z. B. bei der Blutgruppen-Unverträglichkeit. Hier werden Killerzellen oder das Komplementsystem aktiviert und die Zelle phagozytiert oder lysiert.

Typ III. Eine ebenfalls seltene Reaktion des Körpers auf eindringende Allergene ist die Überempfindlichkeits-Reaktion Typ III , z. B. allergische Alveolitis (‚Farmerlunge‘). Sie ist eine Immunkomplex-Reaktion zwischen Antigenen und Antikörpern (IgG, IgA, IgM) und aktiviert auch das Komplementsystem.

Typ IV. Die Verzögerte Überempfindlichkeit (delayed type hypersensitivity, DTH) ist eine häufig anzutreffende Immunreaktion, z. B. das allergische Kontaktekzem (‚Kontaktallergie‘). T-Lymphozyten produzieren Lymphokine, die wiederum Makrophagen aktivieren. Die Folge ist eine Entzündungsreaktion.

Immunology, D. Male, J. Brostoff, D. B. Roth, I. Roitt, Elsevier, 2012