Baubiologie & Schadstoffanalytik

Sachverständigenbüro                              Dipl.-Biol. Dr. Karsten Stamer

Wohngifte, Innenraum-Schadstoffe

Wohngifte, Innenraum-Schadstoffe?

Schadstoffe in Baustoffen und im Mobiliar, Beispiel Formaldehyd

Oft wird noch Formaldehyd als Bindemittel (Harnstoff-Formaldehydharz-verleimte „Spanplatten“) in Holzwerkstoffen und im Innenausbau sowie für Möbel, Tapeten, Lacke, Farben, Kleber, Spanplatten, Harnstoff-Formaldehyd-Ortschäume etc. verwendet. Dieser giftige Stoff kann dann noch jahrzehntelang aus den Möbeln ausgasen. Sind die Werkstoffe als Formaldehyd-frei deklariert, so wurden meist andere Bindemittel wie z.B. Polyurethan (PU) oder Polyvinylacetat (PVA) verwendet. Hier sind die allergen wirksamen Isocyanate zu beachten. Die Emissionsklasse E1 ist übrigens nicht Formaldehyd-frei sondern lediglich Formaldehyd-ärmer als alte, hochbelastete „Spanplatten“. Durch die geringere Luftwechselrate in Neubauten haben wir z.T. sogar höhere Konzentrationen von Formaldehyd in der Raumluft als in Altbauten.

Allerdings sind auch alternativ verwendete OSB-Platten bezüglich der Ausgasungen leicht flüchtiger Schadstoffe nicht unkritisch, wie nachfolgende Untersuchungen der Bundesanstalt für Materialforschung und –prüfung, Berlin, zeigen: „Bestimmung der VOC-Emissionen aus Grobspanplatten (OSB-Platten) und ihre Bewertung nach dem AgBB-Schema“ Wilke et al., UMID, 1/2013. Diese Studie zeigt, dass „[…] bei einer gesund­heitlichen Bewertung von Bauprodukten nach dem AgBB-Schema viele OSB-Platten wegen zu hoher VOC-Emissionen durchfallen, insbesondere wegen zu hoher Emissionen ungesättigter Aldehyde.“

Die WHO hat Formaldehyd schon seit 2004 als krebserregend eingestuft und empfiehlt für Innenräume eine Konzentration von < 0,05 ppm. Die EU hat Formaldehyd erst 2014 laut EU Verordnung 605/2014 als krebserzeugend (Karzinogen Kategorie 1B) eingestuft und nach wie vor ist in Deutschland ein höherer Innenraum-Richtwert gültig als von der WHO empfohlen. Das Umweltbundesamt (UBA) hat diesen Innenraum-Richtwert für Formaldehyd 2016 geändert: er beträgt nun 100 μg/m3 Raumluft und liegt somit niedriger als der bislang gültige Richtwert (120 μg/m3). Der Arbeitsplatz-Grenzwert (AGW) für Formaldehyd liegt wiederum bei 0,37 mg/m3 und ist in den Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) 900 publiziert.

Symptome wie Reizungen der Augen, Atemwege und Schleimhäute, Augentränen, Husten, Kopfschmerzen u.v.m. wurden nach Formaldehyd Exposition beschrieben. Formaldehyd ist auch eines der häufigsten Berufsallergene: Die IgE-vermittelte Immunreaktion wird bei dauerhafter Inhalation ausgeprägt.

Schadstoffe im Neubau und im Altbau

Glycole werden zunehmend als Lösemittel eingesetzt, welche zwar langsam ausgasen, aber gesundheitlich nicht unbedenklich sind.

Farben und Lacke enthalten oft Lösemittel (VOC) und Schwermetalle, während Dispersionsfarben (Wandfarben) häufig Isothiazolinone als Konservierungsmittel enthalten. Isothiazolinone haben eine allergisierende Wirkung und können auch nach dem Trocknen in die Raumluft ausdünsten. Sensibilisierte Personen können mit Allergien und Hautreizungen reagieren. Typische Symptome wie Schwellungen der Haut, Juckreiz und Ekzeme sind bekannt, aber auch Augenreizungen, Reizungen der Nasenschleimhaut, Kurzatmigkeit und Husten wurden als Symptome beschrieben. www.alab-berlin.de/Isothiazolinone.pdf

»Kontaktallergene

Aus Fußböden, Auslegware, PVC, Parkettkleber, Fugenmassen etc. können Aldehyde, Weichmacher (Phthalate), Phenole, Styrole etc. ausgasen. Im Altbau können zusätzlich PAK und PCB in die Raumluft austreten.

Deckenverkleidungen, Dämmungen etc. in Altbauten können künstliche Mineralfasern (KMF) oder Asbest enthalten. Dachbalken, Holzfußböden, Holztreppen sind bis ca. 1989 sehr oft mit hochgiftigen Holzschutzmitteln wie PCP, DDT, Lindan behandelt worden.

Teppiche sind z.T. mit Pestiziden (z.B. Permethrine) behandelt. Polstermöbel können mit Flammschutzmitteln behandelt worden sein.

Auch bei der Sanierung oder Renovierung können diese Schadstoffe freigesetzt werden und eine Gesundheitsgefährdung darstellen. »Holzschutzmittel in Bestandsbauten

Feinstaub

Laserdrucker (Toner) erzeugen Feinstaub, welcher giftige Stoffe enthalten kann. Ein möglicher Zusammenhang zur Entstehung von Lungenkrebs wurde kürzlich von verschiedenen Medien ausführlich diskutiert und durch wissenschaftliche Studien unterstrichen. Auch hier wäre VORSORGLICHER GESUNDHEITSSCHUTZ gefordert. Siehe auch 'Publikationen über Innenraum-Schadstoffe'.

Nanopartikel kommen immer häufiger in Produkten für das tägliche Leben vor.

Schadstoffe können in die Raumluft ausgasen

All diese Stoffe können sich in der Raumluft oder dem Hausstaub anreichern und von uns täglich aufgenommen werden. Die gesundheitliche Gefährdung nach Renovierungen ist in einer neuen Studie erstmals belegt worden: »Risiko für Atemwegserkrankungen erhöht

Wandfarben ohne Schadstoffe
Wandfarben ohne Schadstoffe? Vorsicht: Isothiazolinone

Ausgasungen von Schadstoffen

Schadstoffe: "Kann Renovieren krank machen?"   WDR Markt, 23.03.2015 (erhältlich über mediathek)

NEU: Risiko für Atemwegserkrankungen erhöht

In diesem Beitrag wird zusammenfassend gezeigt, dass in einer aktuellen Langzeitstudie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig festgestellt wurde, dass das Risiko für Atemwegserkrankungen (Husten, Bronchitis, Asthma) und Allergien bei Kindern signifikant um den Faktor 5 ansteigt, wenn während oder kurz nach der Schwangerschaft renoviert wurde (Verlegung von Fußböden, Laminat etc.). In den hier geschilderten Fällen konnten durch baubiologische Raumluft-Analysen diverse Innenraum-Schadstoffe, vornehmlich VOC, aber auch Pestizide, Flammschutzmittel und Weichmacher ermittelt werden, die in die Raumluft ausgasen. Siehe auch "Umweltgifte im Bodenbelag", Deutschlandfunk (01/2015) sowie "Neuer Fußboden kann zu Atemproblemen bei Babys führen", Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung UFZ (12/2014)

Viele Schadstoffe gasen über Jahre aus Möbeln, Farben, Teppichen, Fussböden-Belägen, Kleingeräten oder Baustoffe im Wohnbereich aus:
Die Luft in Innenräumen ist oft stärker mit giftigen Substanzen belastet als die Außenluft.

Lassen Sie daher Ihre Raumluft durch das Sachverständigenbüro BAUBIOLOGIE DR. STAMER auf mögliche Schadstoff-Belastung analysieren.

 

VOC Raumluft-Analytik

Eine aktuelle Studie zeigt erstmals einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Ausgasungen von flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) nach dem Renovieren von Wohnungen und gesundheitlichen Problemen. Diese Schadstoffe dünsten z.B. aus neuen Fußböden aus und werden dann über die Atemluft aufgenommen. Aus diesem Grund rät das Zentrum für Umweltforschung Leipzig UFZ davon ab, während oder kurz nach der Schwangerschaft Laminat, Teppichböden oder Fußbodenbeläge neu zu verlegen. Die Konzentrationen dieser Schadstoffe seien "ausreichend, um das Risiko der Kleinkinder an Atemwegsbeschwerden zu erkranken, deutlich zu erhöhen". Siehe Ausgasungen von Schadstoffen

Schadstoff-Prüfungen von Bauprodukten

Nach einem Urteil des EuGH ist es seit Mitte Oktober 2016 nicht mehr möglich, an Bauprodukte mit CE-Kennzeichnung ergänzende Anforderungen zu stellen, z.B. durch Prüfungen auf bestimmte Schadstoffe.

Das Umweltbundesamt (UBA) warnt diesbezüglich vor möglichen Risiken beim Bauen, Sanieren und Nutzen von Gebäuden. Mehr unter VDI-Nachrichten, 02/2017 www.vdi-nachrichten.com/Technik/Schutzluecke-Bauprodukten

„[…] Ohne eine transparente Produktkennzeichnung fallen Schadstoffe wie flüchtige organische Verbindungen (VOC) oft erst auf, wenn ein Gebäude bereits steht und die Bewohner sich beschweren. […]“ Quelle UBA, 07/2016

https://www.umweltbundesamt.de/themen/neues-baurecht-koennte-mensch-umwelt-gefaehrden

Daher plant die Bundesregierung „Gesundheitsstandards“ für Gebäude einführen. Allerdings müssten diese Standards dann in Gebäuden entsprechend überprüft werden.